Luise Helmstreit1
1) Universität zu Köln, Institut für Geophysik und Meteorologie
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Am Physikstudium hatte ich viel weniger Freude als erhofft. Warum ich es trotzdem wieder tun würde
Es gibt sicher einfachere Wege, einen Universitätsabschluss zu bekommen (darauf ist man an der MathNat auch nicht allzu insgeheim mächtig stolz oder tröstet sich damit, zumindest auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen zu haben).
Als Studentin der Geophysik/Meteorologie habe ich nur während des Grundstudiums im eigentlichen Sinne Physik studiert und das auch nicht besonders gut hinbekommen:
Während ich versuchte, drei Übungsblätter pro Woche abzuschreibengeben, fiel es leicht, zu vergessen, dass ich das ja freiwillig mache. Nach unnötigen Nachtschichten döste ich morgens in der Vorlesung. Mal ein Buch zu lesen, dafür war in meinem selten existenten Zeitplan eigentlich kein Platz. Es blieben Bibliotheksgebühren und das Gefühl, das mit dem Studieren irgendwie nicht richtig zu machen.
Heute, am Ende meines Bachelors, würde ich vieles besser machen und sicher auch mehr mitnehmen. Trotzdem gab es auch in dieser Zeit Momente, in denen ich dachte, dass das ja Spaß machen kann, wenn es nur mehr von ihnen gäbe: „Das klären wir am Whiteboard!“ Im Studium, merke ich, bin ich nicht nur umgeben von sympathischen Leidensgenoss*innen, sondern von Tüftler- und Grübler*innen, mit denen ich eben nicht nur gut Bier trinken, sondern auch Ideen diskutieren kann.
Waren wir schon immer so und haben uns deswegen das Studienfach ausgesucht? Oder hat uns das Studieren doch, insgeheim, beigebracht, Probleme lösen zu wollen? Und uns, vielleicht noch wichtiger, überzeugt, es auch zu können?
Komplexe Zusammenhänge sind begreiflich, auch wenn es nicht auf Anhieb ist. Ich kann herausfinden, wie das geht, wenn ich mir die Zeit nehme, nachfrage, mit jemandem darüber rede.
Konzepte, die mich aufstöhnen ließen, haben mit der Zeit nicht nur ihren Schrecken verloren, sondern sind Teil meines Denkens geworden.
Unterwegs wurde ich sanft politisiert und habe gezwungenermaßen doch ein bisschen Selbstmanagement gelernt. Hat sich Physik studieren also gelohnt? Vielleicht bin ich irgendwann ja gut für die Volkswirtschaft oder mache etwas, das irgendwem weiterhilft.